Deutscher Geheimdienst: Russland könnte Spitzenmanager der Rüstungsindustrie angreifen
- Startseite
- Im Ausland
- Deutscher Geheimdienst: Russland könnte Spitzenmanager der Rüstungsindustrie angreifen


Die deutschen Sicherheitsbehörden haben einen Anstieg von Spionage, Sabotage und Cyberangriffen gegen die Verteidigungsindustrie gemeldet. Die Behörde schließt zudem mögliche Anschläge auf Unternehmensleiter nicht aus und fordert eine Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) hat einen drastischen Anstieg der Bedrohungen für die deutsche Rüstungsindustrie gemeldet. Nach Angaben des deutschen Inlandsgeheimdienstes verstärken die russischen Geheimdienste ihre Spionageaktivitäten und Sabotageoperationen und könnten zu gezielten Angriffen auf Führungskräfte von Unternehmen der Rüstungsindustrie übergehen. Die Warnung wurde vor dem Hintergrund der Ausweitung der militärisch-technischen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Ukraine veröffentlicht. Dies berichtet Euractiv.
In einem Sonderbericht stellt das Bundesamt für Verfassungsschutz fest, dass die Bedrohungslage nach der im März getroffenen Vereinbarung zwischen dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj über die Vertiefung der deutsch-ukrainischen Zusammenarbeit weiterhin hoch ist. Der Nachrichtendienst weist zudem darauf hin, dass die vom russischen Verteidigungsministerium veröffentlichte Liste deutscher Unternehmen mit Bezug zum Verteidigungssektor als Reaktion Moskaus auf diese Vereinbarungen zu betrachten sei.
Nach Einschätzung der deutschen Sicherheitsbehörden richten russische staatliche Stellen und mit ihnen verbundene Personen ihr Augenmerk zunehmend auf Unternehmen der Rüstungsindustrie und militärische Infrastruktureinrichtungen in Deutschland. Dabei schließt der Dienst nicht aus, dass je nach weiterer Entwicklung des Krieges in der Ukraine auch gezielte Angriffe auf bestimmte Personen, vor allem auf Führungskräfte von Rüstungsunternehmen, möglich sind.
Solche Befürchtungen haben bereits konkrete Gründe. Der Vorstandsvorsitzende des größten deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall, Armin Papperger, steht seit 2022 unter ständigem Polizeischutz. Im Jahr 2024 warnten amerikanische Geheimdienste die deutschen Behörden vor einem mutmaßlich von Russland geplanten Attentat auf sein Leben.
In dem Bericht wird zudem auf die jüngsten Ermittlungen der Bundesanwaltschaft sowie auf eine Reihe von Vorfällen hingewiesen, die mit dem Verdacht auf Spionage und Sabotage in Verbindung stehen. Dazu gehört unter anderem die Entdeckung von Überwachungskameras in der Nähe einer deutsch-britischen Militäringenieur-Einheit.
Besondere Besorgnis erregt die veränderte Taktik der russischen Geheimdienste. Nach Angaben des BfV setzt Moskau zunehmend sogenannte „Agenten der unteren Ebene“ ein – ungeschulte Ausführende, die über Messenger gegen eine geringe finanzielle Vergütung angeworben werden. Darüber hinaus verzeichnet der Nachrichtendienst eine rege Verbreitung von Phishing-Kampagnen über verschlüsselte Messaging-Dienste.
Dies zeige, dass Social-Engineering-Methoden – also die Manipulation von Personen mit dem Ziel, vertrauliche Informationen zu erlangen oder sie zur Ausführung schädlicher Handlungen zu bewegen – nach wie vor eines der wichtigsten Instrumente russischer Operationen seien, heißt es seitens des Geheimdienstes.
Als weitere Bedrohung nennen die deutschen Sicherheitsbehörden die Nutzung kommerziell erhältlicher Geolokalisierungsdaten. Nach Einschätzung der Behörde können selbst öffentlich zugängliche Informationen ausländischen Geheimdiensten dabei helfen, die Wohnorte von Mitarbeitern strategisch wichtiger Unternehmen, deren Bewegungswege und alltägliche Gewohnheiten zu ermitteln.
Vor diesem Hintergrund empfiehlt der Bundesverfassungsschutz den Unternehmen, ihre Mitarbeiter regelmäßig in Fragen der Informationssicherheit zu schulen und sie mit den neuen Arbeitsmethoden ausländischer Geheimdienste vertraut zu machen.
„Gerade deshalb ist es besonders wichtig, Aufklärungskampagnen über die neuen Arbeitsmethoden des Gegners durchzuführen und die Mitarbeiter regelmäßig im sicheren Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien zu schulen, insbesondere in so sensiblen Bereichen wie der Sicherheitsbranche und der Rüstungsindustrie“, heißt es in den Empfehlungen des Nachrichtendienstes.
Den Mitarbeitern wird zudem geraten , die Menge an persönlichen Informationen, die sie im Internet veröffentlichen, auf ein Minimum zu beschränken, und bei Auslandsreisen besondere Vorsicht walten zu lassen, insbesondere in Ländern, in denen staatliche Stellen über weitreichende Befugnisse zur Überwachung des Internetverkehrs und der Mobilfunkkommunikation verfügen.
Die deutschen Sicherheitsbehörden warnen zudem, dass Netzwerke, die Russland dabei unterstützen, internationale Sanktionen zu umgehen, weiterhin Zugang zu westlichen Technologien, Ausrüstung und Fachwissen suchen, die für den russischen Rüstungskomplex erforderlich sind.
Vor dem Hintergrund dieser Warnungen schreitet der groß angelegte Ausbau der Rüstungsproduktion in Europa weiter voran. Wie bereits berichtet, hat der Krieg in der Ukraine zu einem Rekordanstieg der Rüstungsproduktion in den EU-Ländern geführt. Im Mai hat die Europäische Kommission den Verteidigungsfonds SAFE (Security Action for Europe) in Höhe von 150 Milliarden Euro ins Leben gerufen, der den Mitgliedstaaten der Europäischen Union zinsgünstige Kredite für Investitionen in die Rüstungsindustrie gewährt. Das Programm zielt darauf ab, die Defizite im Verteidigungsbereich Europas zu beheben und die Produktionskapazitäten durch gemeinsame Beschaffungen von Waffen und Ausrüstung zu stärken.
- In Polen wurde ein Mann beschuldigt, einen 15-jährigen Jugendlichen wegen dessen ukrainischer Sprache geschlagen zu haben
- Estland errichtet eine neue Militärsiedlung an der Grenze zu Russland
- „Der Schutzraum wäre beinahe eingestürzt. Alles fiel herunter. Rauch. Es war eine Rakete“, berichten die Einwohner Kiews über den Angriff der Russischen Föderation. Bericht vom Ort des Geschehens
- Der 3. Juli wurde in Kiew zum Trauertag erklärt. Die Zahl der Toten und Verletzten steigt
- Massiver Angriff Russlands auf Kiew: Es gibt Tote, zahlreiche Verletzte und Zerstörungen in allen Stadtteilen
Elena Rasenko schreibt über Neuigkeiten aus Wissenschaft, gesunder Lebensweise und Psychologie und teilt ihre Tipps und Tricks zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie.











