Warum es schwieriger ist, Selbstverletzungen loszuwerden, als es scheint

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Wissenschaftler haben erklärt, warum es so schwer sein kann, sich selbst zu vergeben, auch wenn es gut für die Psyche ist
22:00, 08.08.2025

Eine neue Studie von Experten der Flinders University hat ergeben, warum viele Menschen sich selbst nicht verzeihen, selbst wenn sie wissen, dass es ihrer psychischen Gesundheit helfen würde.



Eine in der Zeitschrift Self and Identity veröffentlichte Arbeit untersuchte reale Geschichten von Menschen, die nach einem Fehler oder einer schwierigen Lebenssituation in Schuld- und Schamgefühlen feststeckten.

An der Studie nahmen 80 Personen teil, von denen einige sich im Laufe der Zeit noch selbst verzeihen konnten, andere hingegen nicht. Es stellte sich heraus, dass diejenigen, die die Selbstverletzung nicht loslassen konnten, oft das Gefühl hatten, dass das Ereignis gerade erst passiert war, obwohl bereits Jahre vergangen waren. Sie spielten diesen Moment ständig in ihrem Kopf ab und empfanden akute Schuldgefühle, Bedauern, Scham und Selbstvorwürfe.

Die Psychologieprofessorin und Hauptautorin der Studie, Lydia Woodyatt, stellt fest: Selbstvergebung ist ein viel komplexerer Prozess als einfach nur "die Situation loszulassen".

"Bei der Selbstvergebung geht es nicht nur darum, das Geschehene zu vergessen und weiterzumachen", erklärt die Professorin. - Selbst diejenigen, die in der Lage waren, sich selbst zu vergeben, erinnerten sich manchmal an das Ereignis und empfanden Scham oder Schuldgefühle, insbesondere wenn sie sich in ähnlichen Situationen befanden. Der Unterschied ist, dass diese Gefühle schwächer wurden und seltener auftraten und die Vergangenheit ihr Leben nicht mehr beherrschte."

Den Wissenschaftlern zufolge versuchten die Menschen, die sich selbst verziehen haben, an die Zukunft zu denken, ihre Grenzen zu akzeptieren (z.B. mangelnde Erfahrung oder Kontrolle in der Vergangenheit) und ihre Werte wieder aufzubauen.

Am schwierigsten zu vergeben war es für diejenigen, die das Gefühl hatten, einen geliebten Menschen - ein Kind, einen Partner oder einen Freund - im Stich gelassen zu haben, oder die selbst ein Opfer gewesen waren. Für sie waren die Schuldgefühle am zerstörerischsten und hartnäckigsten.

Professor Woodyatt weist darauf hin, dass Selbstvorwürfe und Schuldgefühle manchmal auch dann auftreten, wenn eine Person objektiv keine Schuld trägt - zum Beispiel, wenn sie aufgrund der Handlungen anderer gelitten hat. Diese Emotionen sind mit dem so genannten "moralischen Trauma" verbunden - einem inneren Konflikt zwischen der Wahrnehmung der eigenen Person und dem Geschehenen.

Wissenschaftler betonen, dass Selbstvergebung keine einmalige Lösung ist, sondern ein langfristiger Prozess, der Zeit, Reflexion und die Unterstützung durch andere erfordert.
Es ist wichtig, sich nicht nur herauszureden, sondern zu verstehen, warum die Schuld- und Schamgefühle entstanden sind, und allmählich das Selbstwertgefühl und die Kontrolle über das eigene Leben wiederherzustellen.

Maria Grynevych

Maria Grynevych, Projektmanagerin, Journalistin, Mitautorin des Reiseführers Heilige Berge der Dnjepr-Region, Vortragskurs: Kultische Topographie der mittleren Dnjepr-Region.

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