Wer hat die geheimnisvollen Stufen an den Berghängen errichtet? Wissenschaftler haben eine überraschende Erklärung gefunden

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Wissenschaftler haben den Ursprung der rätselhaften Stufen an den Berghängen erklärt
Eine Kuh in ihrem natürlichen Lebensraum. Morphologie der Terrassen. Terrassen sind sich wiederholende Reliefformen mit langen, entlang der Höhenlinien an den Hängen verlaufenden Pfaden. Jede Stufe einer Terrassette besteht aus einer ebenen Fläche und einem schrägen Absatz, wobei benachbarte Stufen häufig durch kurze, schräge Übergänge miteinander verbunden sind. (A) Schematische Darstellung eines Hangs mit Hauptneigungswinkel, auf dem terrassierte Stufen zu sehen sind, die aus ebenen Flächen und schrägen Absätzen bestehen. (B) Ein besonders anschauliches Beispiel für Terrassetten in der Grafschaft Wiltshire, England [34].
22:00, 13.07.2026

An vielen Berghängen auf der ganzen Welt sind seltsame, lange Stufen zu sehen, als hätte sie ein unbekannter Architekt herausgemeißelt. Diese als „Terrassetten“ bekannten Formationen gelten seit mehr als hundert Jahren als eines der Rätsel der Geologie.



Nun haben Forscher aus den USA eine überraschende Erklärung vorgelegt. Ein Computermodell hat gezeigt, dass solche Stufen nach und nach durch gewöhnliche Kühe, Schafe und andere Huftiere entstehen können, die Tag für Tag dieselben Hänge entlanglaufen.

Die Ergebnisse der Studie wurden im „Journal of the Royal Society Interface“ veröffentlicht.

Ein Rätsel, über das Darwin nachdachte

Terrassen kommen in den Alpen, in Großbritannien, Neuseeland und anderen Bergregionen vor. Es handelt sich um lange, schmale Absätze, die fast horizontal entlang steiler, grasbewachsener Hänge verlaufen.

Bereits im Jahr 1881 interessierte sich Charles Darwin für deren Entstehung. Er vermutete, dass Tiere diese „Stufen“ tatsächlich nutzen, bezweifelte jedoch, dass dies allein ihre Entstehung vollständig erklären könne. Seitdem streiten Wissenschaftler darüber, ob Terrasetten durch langsames Abrutschen des Bodens entstehen oder von Huftieren geformt werden.

So wurde die Hypothese überprüft

Die Forscher erstellten ein Computermodell, in dem sich virtuelle Tiere einen Hang hinaufbewegten und dabei nur zwei einfachen Regeln folgten: nach Nahrung zu suchen und so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen.

An steilen Hängen ist der energieeffizienteste Weg nicht nach oben oder unten, sondern quer über den Hang zu gehen. Jeder Schritt verdichtete den Boden ein wenig und trat das Gras nieder, wodurch es für nachfolgende Tiere einfacher wurde, dieselbe Stelle zu passieren.

Nach Tausenden solcher Durchgänge bildeten sich am Hang nach und nach deutlich erkennbare Stufen – die echten Terrassen sehr ähnlich.

Warum entstehen gerade Linien?

Auf den ersten Blick scheint es, als müssten die Tiere chaotisch laufen. Das Modell hat jedoch das Gegenteil gezeigt.

Jede neue Spur verändert die Oberfläche geringfügig und macht den bereits bestehenden Weg bequemer. Infolgedessen fügen sich zahlreiche zufällige Bewegungen allmählich zu stabilen Pfaden zusammen, die sich mit der Zeit in lange Absätze verwandeln.

Wissenschaftler bezeichnen diesen Mechanismus als Stigmergie – einen Prozess, bei dem Lebewesen ihre Handlungen indirekt koordinieren und dabei ihre Umgebung verändern. Nach demselben Prinzip entstehen Ameisenpfade oder von Menschen ausgetretene Wege über Rasenflächen.

Bedeutet dies, dass das Rätsel endgültig gelöst ist?

Nein. Die Autoren betonen, dass ihre Arbeit die Beteiligung geologischer Prozesse nicht ausschließt.

Die Studie hat jedoch erstmals gezeigt, dass bereits das einfache Verhalten weidender Tiere ausreicht, um eigenständig regelmäßige, stufenartige Strukturen zu erzeugen, die zuvor hauptsächlich durch Bodenbewegungen erklärt wurden.

Warum ist dies wichtig?

Die Studie verdeutlicht, wie das kollektive Verhalten von Tieren die Landschaft in großem Maßstab verändern kann.

Die Studie zeigt zudem, dass komplexe natürliche Formen nicht immer komplexe Ursachen erfordern – manchmal entstehen sie aus Tausenden einfacher Handlungen, die die Umwelt nach und nach verändern.

Hintergrund

Terrassetten sind lange, horizontale Absätze an steilen, grasbewachsenen Hängen. Sie kommen in vielen Bergregionen der Welt vor und gelten seit langem als eines der klassischen Rätsel der Geomorphologie.

Seit mehr als einem Jahrhundert gab es zwei Haupthypothesen: Entweder entstehen die Terrassen durch langsames Abrutschen des Bodens, oder sie werden nach und nach von Huftieren geformt, die jahrelang dieselben Wege beschreiten. Eine neue Studie hat nun erstmals mithilfe von Computermodellen gezeigt, dass die Aktivität der Tiere allein ausreichen kann, um solche Strukturen entstehen zu lassen.

Quelle

Benjamin Seleb et al. Moo-ving mountains: grazing agents drive terracette formation on steep hillslopes. Journal of the Royal Society Interface (2026).

Myroslav Tchaikovsky
schreibt über Archäologie bei SOCPORTAL.INFO

Unabhängiger Forscher, der sich für Archäologie und sakrale Geografie interessiert. Er erforscht diese Themen und schreibt über sie.

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