Archäologen haben die geheimnisvollen Bestattungsriten des verschwundenen brasilianischen Volkes aufgedeckt
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Eine kürzlich im Journal of Anthropological Archaeology veröffentlichte Studie wirft ein Licht auf die einzigartigen Bestattungsrituale des Volkes der Südlichen Jê.
Ein internationales Team unter der Leitung von Luiz Phellipe de Lima, Daniela Klokler und MaDu Gaspar führte eine Datierungsanalyse und eine räumliche GIS-Studie durch, um zu erklären, warum dieses Volk im Laufe der Jahrhunderte einige seiner Toten in abgelegenen Höhlen und andere in auffälligen Erdhügeln und Einfriedungen (MECs) bestattet hat.
Details: Luiz Phellipe de Lima et al, A song of earth and water: Burial caves as sacred and animated Southern Jê deathscapes in Brazil, Journal of Anthropological Archaeology (2024). DOI: 10.1016/j.jaa.2024.101646
Kurz zu den Südlichen Jê
- Sprachfamilie: Das Jê entstand um 1050 v. Chr. in Zentralbrasilien. Bis 840 n. Chr. spaltete es sich in einen östlichen und einen westlichen Zweig, und der östliche Zweig spaltete sich dann in Kaingang und Laklãnõ.
- Modernität: Heute sind die Kaingang und Laklãnõ die einzigen Nachfahren der Südlichen Jae.
- Begräbnishöhlen (SJBCs): Die ersten derartigen Bestattungen gehen auf etwa 1 n. Chr. zurück, wobei die Verstorbenen meist nicht in der Erde begraben, sondern in der Höhle an der Oberfläche liegen gelassen wurden.
- Erdhügel und Einfriedungen (MECs): Um etwa 1000 n. Chr. wurden groß angelegte Erdwerke auf Hügelkuppen Teil der Rituale.
Zwei Hypothesen über Rituale
- Hierarchisch
Man ging davon aus, dass die "Elite" in Erdhügeln bestattet wurde und Menschen mit niedrigerem Status in Höhlen begraben wurden. - Chronologisch
Die Vorstellung, dass MECs (Grabhügel) die Höhlenbestattungen nach 1000 n. Chr. vollständig verdrängt haben.
Eine neue Studie zeigt jedoch, dass beide Hypothesen falsch sind: Höhlen und Grabhügel existierten mindestens 500 Jahre lang nebeneinander, und es gibt keine direkten Beweise für eine strikte Statustrennung.
Die Rolle von Wasser und Mythologie
Die Autoren fanden heraus, dass sich 88% der Grabhöhlen in der Nähe von Gewässern (Wasserfälle, Flüsse, Bäche) befinden. Nach der Kosmologie der Süd-Jae ist Wasser das einzige Element, das die drei Ebenen des Universums miteinander verbindet:
- Das unterirdische Reich der Toten;
- Die Erde, auf der Menschen, Tiere und Wälder leben;
- Die himmlische Welt der Sterne und Götter.
Die Platzierung von Höhlen in der Nähe von Wasser könnte also auf den Wunsch hinweisen, den "Übergang der Seele" in die unterirdische Dimension zu erleichtern. Gleichzeitig hat die Höhle selbst, die an einem schwer zugänglichen Ort versteckt ist, den Verstorbenen symbolisch aus den Augen der Lebenden "entfernt", da die Seele, die nicht eingeäschert wurde, gefährlich sein könnte.
Kontrast zu irdenen Strukturen (MECs)
- Offenheit: Erdhügel wurden in der Regel auf einer Anhöhe errichtet und waren von den umliegenden Siedlungen aus gut sichtbar.
- Einäscherung: Menschen, die in MECs bestattet wurden, wurden oft verbrannt, was nach ethnographischen Erkenntnissen dazu beiträgt, dass die Seele schneller ins Jenseits "entkommt", wodurch das Risiko eines "Schadens" für die Lebenden entfällt.
Neue Hypothese
Archäologen glauben, dass die Einführung der MECs weniger mit der Verdrängung der Höhlen zu tun haben könnte als vielmehr mit den kulturellen und sprachlichen Veränderungen bei den südlichen Jae nach 840 n. Chr. Vielleicht nutzten die verschiedenen Zweige (Kaingan und Laklãno) weiterhin die alten Höhlen, begannen aber gleichzeitig mit dem Bau von Erdhügeln, was auf Veränderungen im Glauben und in den sozialen Ritualen zurückzuführen ist. Selbst die Höhlen begannen sich nach 1000 n. Chr. zu "modernisieren". Archäologen fanden Keramik, Feuerstellen und Felsmalereien, die mit der Ästhetik der Süd-Zhe übereinstimmen.
Die Untersuchung der Bestattungspraktiken der südlichen Zhe legt nahe, dass die alten Gesellschaften möglicherweise verschiedene Bestattungsrituale parallel kombiniert haben, und nicht, wie bisher angenommen, nacheinander. Die Wissenschaftler betonen, dass sie für die endgültige Bestätigung ihrer "Hybrid"-Hypothese weitere Daten benötigen - zusätzliche Radiokarbondatierungen und umfassendere archäologische Untersuchungen. Bestattungen in unzugänglichen Höhlen, so betonen die Autoren, sind nach wie vor eines der am wenigsten untersuchten Themen in der Archäologie Südamerikas und bergen möglicherweise viele weitere ungelöste Rätsel über kulturelle Kontakte und Rituale alter Völker.
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Unabhängiger Forscher, der sich für Archäologie und sakrale Geografie interessiert. Er erforscht diese Themen und schreibt über sie.












