Emoji sind die verwirrendste Sprache im Internet geworden. Hier ist der Grund

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Ist das "Gefällt mir"-Emoji eine Befürwortung oder eine versteckte Aggression? Warum Emoji die verwirrendste Sprache im Internet geworden sind
AI-Illustration
20:00, 04.07.2025

Emoji, Memes und kurze Inhalte spielen heute eine wichtige Rolle in der Online-Kommunikation



Ihre Bedeutung ist jedoch kontextabhängig und kann sich je nach Plattform, Alter und Intention des Nutzers drastisch ändern. Was einst wie ein universelles Symbol der Freude aussah, kann heute als Sarkasmus oder sogar als passive Aggression wahrgenommen werden.

Brittany Ferdinands, Autorin des Artikels auf The Conversation, erzählt:

"Ein älterer Kollege von mir fragte mich einmal, was das Emoji mit einem leichten Lächeln 🙂 bedeutet. Er dachte, es bedeute Freude. Ich musste ihm erklären, dass es bei jüngeren Nutzern meist Ironie oder falsche Zustimmung bedeutet."

Sie fügt hinzu, dass ein "Daumen hoch" 👍 auch als eine Form der passiven Aggression aufgefasst werden kann, besonders wenn es in privater Korrespondenz gesendet wird. Und das berühmte Gesicht mit den Lachtränen 😂, obwohl es 2015 vom Oxford Dictionary zum Wort des Jahres gekürt wurde, gilt bei der Generation Z inzwischen als veraltet.

Emoji wurden ursprünglich geschaffen, um Textnachrichten emotionale Farbe zu verleihen. Ihr Schöpfer, der japanische Designer Shigetaka Kurita, konnte sich nicht einmal vorstellen, wie diese Symbole in der Zukunft zu Markern der kulturellen Zugehörigkeit werden würden.

"Symbole, die einst universell schienen, trennen heute die Generationen", glauben die Forscher.

Eine kürzlich durchgeführte Studie über die Nutzer der chinesischen Plattform WeChat hat zum Beispiel ergeben, dass junge und alte Menschen Emoji nicht nur unterschiedlich verwenden, sondern ihnen auch unterschiedliche ästhetische Bedeutungen beimessen.

Während Millennials immer noch 😂 verwenden, hat die Generation Z es durch 💀 (Totenkopf) ersetzt, was so viel bedeutet wie "Ich bin vor Lachen gestorben". Das ist natürlich nicht wörtlich gemeint - es ist nur eine neue Form des Ausdrucks von Humor.

Der Kontext spielt eine wichtige Rolle. Ein und dasselbe Emoji kann auf verschiedenen Plattformen unterschiedlich wahrgenommen werden. Zum Beispiel ist ein 👍 von einem Chef in Slack in Ordnung, aber das gleiche Symbol vom Objekt der Zuneigung nach einem Geständnis der Gefühle kann gelinde gesagt entmutigend wirken.

Wie Ferdinands bemerkt, spiegelt dies ein tieferes Problem wider:

"Emoji werden zu einem Teil der Büro-Etikette, aber nicht jeder versteht sie auf die gleiche Weise." In einer von Atlassian und YouGov durchgeführten Umfrage unter 10.000 Arbeitnehmern in fünf Ländern gaben 88 Prozent der Generation Z an, dass Emoji ihnen helfen, Emotionen bei der Arbeit zu vermitteln. Bei den Babyboomern und der Generation X teilten nur 49% diese Ansicht.

Bei Emoji geht es heute nicht nur um Emotionen, sondern auch um eine Möglichkeit, Ihre digitale Identität auszudrücken. Das wird besonders auf TikTok deutlich. Unter dem Hashtag #emojicombo werden Hunderte von Videos mit einer Auswahl von Emoji veröffentlicht, die bestimmte Stile oder "Charaktere" widerspiegeln - von "clean girl" bis "old money".

Solche Kombinationen bilden eine visuelle Identität und zeigen auch die "digitale Kompetenz" des Nutzers.

"Die Verwendung von Trend-Emoji ist eine Form von symbolischem Kapital", schreibt der Autor. Mit anderen Worten, es ist eine Möglichkeit, die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe zu zeigen, sich in eine trendige Subkultur "einzufügen".

Jede neue Generation weist den Emoji ihre eigenen Bedeutungen zu, und das kann verwirrend sein. Ein und dasselbe Symbol kann Aufrichtigkeit, Ironie oder Sarkasmus bedeuten - je nachdem, wer es benutzt, auf welcher Plattform und zu welchem Zweck.

Die Autoren sind der Meinung, dass "Emoji zunehmend nicht mehr ein Mittel zur Kommunikation von Gefühlen sind, sondern ein Weg, um zu zeigen, dass man zum 'inneren Kreis' der digitalen Kultur gehört".

Maria Grynevych

Maria Grynevych, Projektmanagerin, Journalistin, Mitautorin des Reiseführers Heilige Berge der Dnjepr-Region, Vortragskurs: Kultische Topographie der mittleren Dnjepr-Region.