Wissenschaftler haben den Mythos der linkshändigen Kreativität entlarvt

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Wissenschaftler haben herausgefunden: Linkshänder haben keinen Vorteil bei der Kreativität
Credit: Pixabay/CC0 Public Domain
21:30, 01.07.2025

Linkshänder - von Leonardo da Vinci bis Jimi Hendrix - werden schon lange mit außergewöhnlicher Kreativität in Verbindung gebracht.



Eine neue Studie von Psychologen der Cornell University stellt jedoch den hartnäckigen Mythos in Frage, dass Linkshänder von Natur aus kreativer sind als Rechtshänder.

In einem Artikel im Psychonomic Bulletin & Review analysierten die Autoren Daniel Casasanto, Owen Morgan und Xiyi Zhao mehr als hundert Jahre wissenschaftlicher Veröffentlichungen, um festzustellen, ob es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen der führenden Hand und kreativen Fähigkeiten gibt.

Details: Owen Morgan et al, Handfertigkeit und Kreativität: Fakten und Fiktionen, Psychonomic Bulletin & Review (2025). DOI: 10.3758/s13423-025-02717-2

"Die Daten belegen keinen Vorteil für Linkshänder beim kreativen Denken", sagt Casasanto, außerordentlicher Professor für Psychologie und Direktor des Labors für Erfahrung und Kognition.

Er sagt, dass Rechtshänder sogar einen leichten Vorteil bei einigen Tests zum divergenten Denken zeigten - der Fähigkeit, schnell neue Ideen zu entwickeln.

Die Studie umfasste eine Meta-Analyse von 17 Arbeiten, die etwa 50 verschiedene Messungen seit 1900 abdecken. Die Autoren fanden heraus, dass es bei den drei gängigsten Labortests für kreatives Denken kaum oder gar keine Unterschiede zwischen Links- und Rechtshändern gab.

"Wenn man alle Studien als Ganzes betrachtet, findet die Idee, dass Linkshänder in Sachen Kreativität überlegen sind, einfach keine Unterstützung", betont Casasanto.

Die Studie bestätigte jedoch: Linkshänder sind in der Tat häufiger unter Künstlern und Musikern anzutreffen. Die Autoren widerlegten jedoch einen anderen weit verbreiteten Mythos - dass Linkshänder unter Architekten überwiegen.

Darüber hinaus verwendeten die Forscher Daten aus Erhebungen der US-Regierung, die fast 12.000 Personen in 770 Berufen umfassten. Die Berufe wurden nach dem Grad der "Originalität" und des "induktiven Denkens" bewertet - Anzeichen für hohe Kreativität. Es stellte sich heraus, dass Linkshänder im Gegensatz dazu in den kreativsten Bereichen - einschließlich Wissenschaft, Kunst und Mathematik - schlecht vertreten waren.

Nach Ansicht der Autoren wird der Mythos von mehreren Quellen gleichzeitig genährt. Eine davon ist der sogenannte "linkshändige Exzeptionalismus": Linkshänder machen nur etwa 10 Prozent der Bevölkerung aus, und wirklich kreative Genies sind ebenso selten. Dies deutet darauf hin, dass es einen Zusammenhang zwischen diesen Phänomenen geben könnte.

Ein weiterer Faktor ist das hartnäckige Bild von der "kreativen Qual des Künstlers": Statistiken zeigen, dass Linkshänder häufiger an Depressionen und Schizophrenie erkranken. Dieser Zusammenhang verstärkt den romantisierten Mythos des leidenden Genies, meinen die Autoren.

Außerdem steckt ein typischer Denkfehler dahinter - die Übergeneralisierung von Einzelfällen.

"Die große Zahl von Linkshändern unter Künstlern und Musikern hat dazu geführt, dass die Menschen glauben, dass alle Linkshänder kreativer sind", sagt Casasanto. - Aber wenn man eine breit angelegte Studie ohne Voreingenommenheit durchführt, verschwindet der 'Linkshänder-Vorteil'."

Mykola Potyka

Mykola Potyka verfügt über ein breites Spektrum an Kenntnissen und Fähigkeiten in verschiedenen Bereichen. Mykola schreibt auf interessante Weise über Dinge, die ihn interessieren.