Wissenschaftler haben herausgefunden, warum Stress manchmal die Logik ausschaltet

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Stress beeinträchtigt nicht das Lernen, aber er beeinträchtigt die Urteilsfähigkeit
19:00, 02.06.2026

Stress löscht vielleicht nicht das Wissen aus dem Gedächtnis, aber er kann verhindern, dass Sie es nutzen. Eine neue Studie hat gezeigt: Unter akutem Stress ist das Gehirn schlechter in der Lage, neue Ereignisse mit alten Erinnerungen zu verknüpfen. Das macht es für eine Person schwieriger, Schlussfolgerungen zu ziehen, selbst wenn sie sich an bestimmte Fakten erinnert hat.



Die Arbeit wurde in Science Advances veröffentlicht.

Die Wissenschaftler untersuchten, wie sich Stress auf den Hippocampus auswirkt - einen Bereich des Gehirns, der für das Gedächtnis, das Lernen und die Verknüpfung verschiedener Ereignisse zu einem größeren Bild zuständig ist. Es stellte sich heraus, dass Stress das Lernen nicht stoppt, sondern das Gehirn daran hindert, alte Erinnerungen "hochzuholen", sobald eine Person etwas gelernt hat, das damit zusammenhängt.

Einfach ausgedrückt: In einem ruhigen Zustand sieht das Gehirn Verbindungen: "Dieses Ereignis steht in Zusammenhang mit etwas, das ich bereits kenne". Und unter Stress ist es wahrscheinlicher, dass es ähnliche Ereignisse als separate Dateien sieht. Die logische Kette ist also unterbrochen.

Details

An der Studie nahmen 121 gesunde Freiwillige teil. Das Experiment dauerte zwei Tage. Am ersten Tag wurden den Teilnehmern Bildpaare gezeigt: zum Beispiel ein Gesicht oder eine Szene zusammen mit einem bestimmten Tier. Auf diese Weise musste sich das Gehirn die Verbindung zwischen den beiden Objekten einprägen.

Am zweiten Tag wurden einige der Teilnehmer mit dem Trier Social Stress Test gestresst. Dabei handelt es sich um ein Laborverfahren, bei dem eine Person einer simulierten Stresssituation ausgesetzt wird: zum Beispiel einem Vorstellungsgespräch und komplexen verbalen Berechnungen. Die Kontrollgruppe führte ruhigere Aufgaben durch. Danach wurden alle Teilnehmer erneut untersucht, allerdings auf eine andere Art und Weise: Das gleiche Tier wurde mit einem neuen Objekt gepaart.

Die Forscher testeten dann, ob die Menschen eine indirekte Schlussfolgerung ziehen konnten. Wenn sich eine Person am ersten Tag an die Verbindung "A - B" und am zweiten Tag an "B - C" erinnerte, dann musste sie später die Verbindung zwischen "A" und "C" verstehen, obwohl ihr diese beiden Objekte nicht zusammen gezeigt wurden.

Hier spielte Stress eine wichtige Rolle. Menschen, die unter Stress standen, waren schlechter darin, alte und neue Informationen miteinander zu verknüpfen. Sie konnten zwar neue Paare lernen, aber es fiel ihnen schwerer, die verborgene Verbindung aus ihrem früheren Gedächtnis zu erschließen.

Gehirnscans zeigten, dass der Hippocampus bei ruhigen Teilnehmern beim Lernen neuer Informationen automatisch alte Erinnerungen reaktivierte. Bei Teilnehmern, die eine stressige Sitzung hinter sich hatten, war diese Reaktivierung schwächer. Je schlechter sich das Gehirn an den alten Teil der Kette "erinnerte", desto schlechter schnitt die Person bei der Schlussfolgerung ab.

Die Wissenschaftler stellten noch einen weiteren Effekt fest: Unter Stress trennte der Hippocampus zusammenhängende Ereignisse stärker voneinander, anstatt sie zu vereinen. Das heißt, es war, als ob das Gehirn die Informationen auf verschiedene Ordner verteilte, anstatt sie zu einer Geschichte zusammenzufassen. In der Nacherzählung von Nature wird dieses Ergebnis als mögliche Erklärung dafür beschrieben, warum es Menschen unter Druck schwerer fällt, Einsicht zu zeigen und vergangene Erfahrungen mit neuen Informationen zu verbinden.

Warum das wichtig ist

Die Studie hilft, eine bekannte Situation zu erklären: Eine Person kann alles wissen, aber in einem stressigen Moment nicht in der Lage sein, dieses Wissen anzuwenden. Das passiert bei einer Prüfung, einem Vorstellungsgespräch, bei einer dringenden Entscheidung am Arbeitsplatz oder wenn man in einer Konfliktsituation unter Druck steht.

Das bedeutet nicht, dass Stress immer das Gehirn "ausschaltet". Er kann das Gedächtnis auf unterschiedliche Weise beeinflussen. In manchen Fällen kann Stress dazu beitragen, dass Sie sich ein anschauliches Ereignis besser merken können. Aber unter Stress kann es schwieriger sein, Informationen flexibel zu nutzen, Fakten zu verknüpfen und Schlussfolgerungen zu ziehen.

Schlussfolgerungen sind wichtig für Bildung, Arbeit und die Ausübung des Rechts. So kann sich Stress beispielsweise darauf auswirken, wie ein Student ein Problem löst, wie ein Angestellter unter Druck eine Entscheidung trifft oder wie ein Zeuge während einer Befragung Details von Ereignissen miteinander verknüpft. Die Autoren weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Ergebnisse Auswirkungen auf den pädagogischen, rechtlichen und klinischen Kontext haben können.

Hintergrund

Der Hippocampus wird oft als eines der Zentren des Gedächtnisses bezeichnet. Aber er speichert nicht nur Erinnerungen. Er hilft dabei, einzelne Ereignisse miteinander zu verknüpfen: wo es war, worauf es sich bezog, welche Schlüsse aus vergangenen Erfahrungen gezogen werden können.

Diese Fähigkeit wird als Gedächtnisintegration bezeichnet. Dank ihr erinnert sich eine Person nicht nur an disparate Fakten, sondern baut ein System aus ihnen auf. Wenn Sie z.B. wissen, dass ein Bekannter ein blaues Auto gekauft hat, und dann dieses Auto vor der Bibliothek sehen, können Sie daraus schließen, dass der Bekannte wahrscheinlich im Haus ist. Dabei handelt es sich nicht um eine direkte Erinnerung, sondern um eine Schlussfolgerung, die auf der Beziehung zwischen den Ereignissen beruht.

Eine neue Studie zeigt, dass akuter Stress genau diesen Mechanismus unterbricht. Das Gehirn nimmt zwar weiterhin Informationen auf, kann sie aber schlechter mit bestehenden Erinnerungen verknüpfen. Daher leidet die "Logik" unter Stress möglicherweise nicht, weil die Person nichts weiß, sondern weil es dem Gehirn schwerer fällt, das, was bekannt ist, zu einem kohärenten Bild zusammenzufügen.

Quelle

Forschung: Kai A. Schüren, Nicole Varga, Hendrik Heinbockel, Alison R. Preston, Benno Roozendaal, Lars Schwabe, "Stress disrupts hippocampal integration of overlapping events and memory inference in humans", Science Advances, 2026.

Maria Grynevych

Maria Grynevych, Projektmanagerin, Journalistin, Mitautorin des Reiseführers Heilige Berge der Dnjepr-Region, Vortragskurs: Kultische Topographie der mittleren Dnjepr-Region.

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