Wissenschaftler haben herausgefunden, was den meisten Stress bei der Arbeit verursacht
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Die Hauptursache für Arbeitsstress sind nicht nur eine hohe Arbeitsbelastung, Fristen oder Überstunden. Eine große neue Studie hat gezeigt, dass Arbeitnehmer besonders von unklaren Rollen betroffen sind, d.h. von Situationen, in denen sie nicht wissen, welche Aufgaben sie haben, wofür sie bewertet werden und welche Ergebnisse von ihnen erwartet werden.
Die Autoren haben eine Meta-Analyse von Studien über Rollenstress bei der Arbeit von 1964 bis 2024 durchgeführt. Die Analyse umfasste Hunderte von unabhängigen Studien und Daten von fast 800.000 Arbeitnehmern. Die Wissenschaftler verglichen drei Hauptursachen für Stress: Rollenambiguität, Rollenkonflikt und Überlastung.
Mehrdeutigkeit der Rolle
Rollenunklarheit entsteht, wenn ein Mitarbeiter nicht genau weiß, was er tun soll, wo seine Verantwortung endet, wie seine Arbeit bewertet wird und welche Aufgaben Priorität haben.
Ein Rollenkonflikt entsteht, wenn von einer Person erwartet wird, dass sie Dinge tut, die sich gegenseitig ausschließen. Ein Vorgesetzter verlangt zum Beispiel eine schnellere Erledigung von Aufgaben, besteht aber gleichzeitig auf maximaler Genauigkeit und zusätzlichen Genehmigungen.
Überlastung ist eine Situation, in der es zu viele Aufgaben und nicht genug Zeit, Ressourcen oder Mitarbeiter gibt, um sie zu erfüllen.
Bei der Analyse erwies sich die Uneindeutigkeit der Aufgaben als einer der größten Störfaktoren überhaupt. Wenn eine Person ständig Erwartungen erraten muss, verringert dies das Vertrauen, die Motivation, die Arbeitszufriedenheit und die Qualität der Aufgabenerfüllung.
Allerdings hatten verschiedene Stressoren ihre eigenen stärksten Einflüsse. Rollenkonflikte waren besonders stark mit Burnout, psychischen Problemen und dem Wunsch zu kündigen verbunden. Überlastung wurde häufiger mit physischen und psychischen Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht.
Warum das wichtig ist
Die Forschung zeigt, dass eine schlechte Aufgabenverteilung nicht nur eine Bagatelle des Managements ist. Wenn ein Mitarbeiter nicht versteht, was von ihm erwartet wird, verschwendet er nicht nur Energie für die Arbeit, sondern auch für die ständige Entschlüsselung der Erwartungen.
Diese Unsicherheit kann in hybriden Teams mit häufigen Prozessänderungen, Umstrukturierungen, der Einführung neuer Tools und unklaren Stellenbeschreibungen besonders schädlich sein. Eine Person ist vielleicht nicht formell überlastet, steht aber dennoch unter großem Stress, weil sie nicht weiß, welche Entscheidungen sie selbst treffen kann und was als gutes Ergebnis angesehen wird.
Für Arbeitgeber ist die Schlussfolgerung auch praktisch: Stressabbau beginnt nicht nur mit der Reduzierung der Arbeitsbelastung. Manchmal ist es wichtiger, Rollen, Prioritäten, Verantwortungsbereiche und Erfolgskriterien klar zu beschreiben.
Hintergrund
Die Theorie des Rollenstresses wird seit den 1960er Jahren untersucht. Sie erklärt, wie Erwartungen, Verantwortlichkeiten und soziale Rollen bei der Arbeit zu einer Quelle von Stress werden können.
In der Vergangenheit wurde Stress am Arbeitsplatz oft in erster Linie mit dem Umfang der Aufgaben in Verbindung gebracht. Doch die neuen Erkenntnisse zeigen ein komplexeres Bild: Menschen können nicht nur gestresst sein, weil es viel Arbeit gibt, sondern auch, weil sie schlecht strukturiert ist.
Ein einfaches Beispiel: Wenn einem Mitarbeiter gesagt wird, er solle "ein Projekt übernehmen", ihm aber nicht gesagt wird, welche Befugnisse er hat, wer die endgültigen Entscheidungen trifft, welche Fristen realistisch sind und welche Messgrößen zur Bewertung der Ergebnisse herangezogen werden, führt dies zu ständigen Spannungen. Selbst ein erfahrener Profi kann in einer solchen Situation schneller ausbrennen.
Quelle
Die Studie A meta-analytic review of 60 years of role stressor research von Gargi Sawhney et al. wurde 2026 im Journal of Vocational Behaviour veröffentlicht. Die Autoren fassten sechs Jahrzehnte an Daten zu Rollenstressoren am Arbeitsplatz und deren Beziehung zu Wohlbefinden, Leistung, Arbeitszufriedenheit und Kündigungsabsicht zusammen.
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Maria Grynevych, Projektmanagerin, Journalistin, Mitautorin des Reiseführers Heilige Berge der Dnjepr-Region, Vortragskurs: Kultische Topographie der mittleren Dnjepr-Region.













