Belugawale können sich selbst im Spiegel erkennen - und das ist eine seltene Fähigkeit bei Tieren
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Belugawale sind möglicherweise in der Lage, sich selbst in einem Spiegel zu erkennen. Eine neue Studie beschreibt das Verhalten von zwei Belugawalen, die nicht nur ihr Spiegelbild betrachteten, sondern, so die Wissenschaftler, den Zusammenhang zwischen ihren Bewegungen und dem, was sie vor sich sahen, überprüften.
Dieses Verhalten wird als Spiegel-Selbsterkenntnis bezeichnet. Man nimmt an, dass es ein Zeichen für komplexes Denken bei Tieren ist, obwohl der Test selbst umstritten bleibt. Ähnliche Ergebnisse wurden bereits bei einer Handvoll von Tierarten beschrieben, darunter Menschenaffen, Elefanten und Delfine.
Wichtig: Die Arbeit beweist nicht, dass alle Belugawale ein Selbstbewusstsein im menschlichen Sinne haben. Nur vier weibliche Belugawale nahmen an dem Experiment teil, zwei zeigten aktives selbstgesteuertes Verhalten und einer bestand den Markierungstest. Daher ist es richtiger, von Anzeichen für Selbsterkenntnis zu sprechen als von einem endgültigen Beweis.
Details
Das Experiment wurde vor etwa 25 Jahren im New York Aquarium durchgeführt, aber die Videos wurden erst jetzt im Detail analysiert und veröffentlicht. Vier weibliche Belugawale nahmen an der Studie teil. Den Tieren wurde ein Spiegel gezeigt, der an der Außenseite eines Unterwassersichtfensters angebracht war, und als Kontrolle wurde ein transparentes, aber nicht reflektierendes Plexiglas verwendet.
Die Wissenschaftler beobachteten, wie die Belugawale auf die Spiegelung reagierten. In klassischen Studien zur Selbsterkennung durch Spiegel durchlaufen die Tiere normalerweise mehrere Phasen. Zunächst nehmen sie das Spiegelbild als ein anderes Tier wahr. Dann beginnen sie zu sehen, ob die Bewegungen des "anderen" mit ihren eigenen übereinstimmen. Erst dann können sie einen Spiegel benutzen, um ihren eigenen Körper zu sehen.
Zwei Belugawale, Natasha und ihre Tochter Maris, zeigten genau diese Abfolge von Verhaltensweisen. Sie näherten sich dem Spiegel, bewegten sich davor, pusteten Blasen, drehten sich um und betrachteten ihr Spiegelbild. Die CUNY-Beschreibung früherer Arbeiten an diesen Daten deutete darauf hin, dass die beiden Belugawale ein selbstgesteuertes Verhalten zeigten und Natasha sich einem einzigen Tag-Test unterzog.
Der Markierungstest ist wie folgt aufgebaut: Eine vorübergehende Markierung wird unauffällig am Körper des Tieres angebracht, die nur in einem Spiegel zu sehen ist. Wenn das Tier beginnt, die markierte Stelle anzuschauen oder zu berühren, wird dies als ein stärkeres Indiz dafür angesehen, dass das Tier das Spiegelbild mit sich selbst assoziiert. In dieser Studie wandte sich Natasha dem Spiegel zu, um die markierte Stelle zu untersuchen. Maris zeigte dieses Ergebnis nicht.
Die beiden anderen Belugawale in der Gruppe ignorierten den Spiegel meist. Das bedeutet nicht unbedingt, dass sie sich selbst nicht erkennen konnten. Bei Spiegeltests hängt viel von der Motivation, dem Interesse an dem Objekt, den Bedingungen der Erfahrung und dem individuellen Verhalten des Tieres ab.
Warum das wichtig ist
Belugawale sind für ihr komplexes Verhalten, ihre fortgeschrittene Kommunikation und ihre Flexibilität beim Lernen bekannt. Wenn sich die Beweise für die Selbsterkennung durch Spiegel bestätigen, wird dies das Verständnis der kognitiven Fähigkeiten von Walen erweitern.
Bisher wurden aussagekräftige Spiegeltestdaten bei Walen hauptsächlich mit Delfinen in Verbindung gebracht. Belugawale gehören zu einer anderen Familie, der Familie der Narwale. Die Ergebnisse sind daher nicht nur für die Beschreibung einer einzelnen Art wichtig, sondern auch für das Verständnis, wie weit sich die Fähigkeit, Spiegelungen als Informationen über sich selbst zu nutzen, bei Meeressäugern entwickelt haben könnte.
Aber die Bedeutung dieser Arbeit sollte nicht überbewertet werden. Der Spiegeltest allein ist nicht gleichbedeutend mit einem vollständigen 'Selbst-Bewusstsein'. Zeitgenössische Studien betonen, dass die Selbstwahrnehmung keine einfache Einteilung in "bestanden" und "nicht bestanden" ist, sondern dass es sich um eine Reihe von graduellen Fähigkeiten handelt.
Es gibt auch ein methodisches Problem: Der klassische Labeltest kann falsch-negative Ergebnisse liefern. Ein Tier kann das Spiegelbild verstehen, aber die Markierung nicht berühren, wenn sie uninteressant oder unzugänglich ist oder keine Reaktion hervorruft. Studien zum Spiegeltest bei Tieren weisen ausdrücklich darauf hin, dass diese Technik möglicherweise eine zu grobe Bewertung komplexer Verhaltensweisen darstellt.
Hintergrund
Die Selbsterkennung durch Spiegel wird seit langem in der vergleichenden Psychologie eingesetzt. Bei Kindern tritt sie normalerweise nicht sofort auf, sondern erst im Laufe der Entwicklung. Bei Tieren wird sie als mögliches Zeichen dafür untersucht, dass der Organismus versteht: Die Reflexion im Spiegel steht in Beziehung zu seinem eigenen Körper.
Der klassische Test sieht einfach aus, aber die Interpretation ist komplex. Ein Tier kann das Spiegelbild angreifen, weil es denkt, dass es einen Rivalen vor sich hat. Ein anderes verliert vielleicht schnell das Interesse. Ein drittes könnte anfangen, den Spiegel als Hilfsmittel zu benutzen, um Körperteile zu betrachten, die es normalerweise nicht sieht. Die letzte Option ist für die Wissenschaftler von besonderem Interesse.
Belugawale eignen sich gut für eine solche Frage: Sie sind soziale Meeressäuger mit großen Gehirnen, komplexen Lauten und aktivem Erkundungsverhalten. Aber sie zu studieren ist schwierig. Man braucht besondere Bedingungen, Unterwasserkameras, Kontrollsitzungen und Langzeitbeobachtungen.
Die neue Arbeit ist wertvoll, weil sie seltenes Videomaterial analysiert. Aber sie zeigt auch, wie vorsichtig wir mit Schlussfolgerungen sein sollten: Vier Tiere sind nicht die gesamte Population, und ein erfolgreicher Test ist nicht der letzte Punkt in der Debatte über das Bewusstsein von Tieren.
Quelle
Alexander Mildener et al, "Beweise für Spiegel-Selbsterkenntnis bei Belugawalen (Delphinapterus leucas)", PLOS One, 2026.
Die Studie verwendete archivierte Videodaten aus einem Experiment mit vier weiblichen Belugawalen im New York Aquarium. Den Tieren wurden ein Spiegel und eine transparente Kontrollfläche ohne Reflexion gezeigt. Zwei der Belugawale, Natasha und Maris, zeigten ein Verhalten, das die Autoren als selbstgesteuert interpretieren, und Natasha reagierte auch auf eine Zeitmarke an ihrem Körper. Eine frühere Beschreibung dieser Daten in CUNY Academic Works berichtet über den gleichen grundlegenden Versuchsaufbau und die Ergebnisse für vier Belugawale.
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Maria Grynevych, Projektmanagerin, Journalistin, Mitautorin des Reiseführers Heilige Berge der Dnjepr-Region, Vortragskurs: Kultische Topographie der mittleren Dnjepr-Region.













