Wissenschaftler haben einen Weg gefunden, gefälschte Van-Gogh-Gemälde zu erkennen
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Van Gogh hat nicht nur einen unverwechselbaren Stil, sondern auch eine ganz eigene „Handschrift“ seiner Pinselstriche. Wissenschaftler haben eine neue Methode vorgeschlagen, um diese Handschrift auf der mikroskopisch kleinen Oberfläche des Gemäldes zu untersuchen – ohne die Leinwand zu beschädigen und ohne Farbproben zu entnehmen.
Die Methode wird in der Fachzeitschrift „Surface Topography: Metrology and Properties“ beschrieben.
Der Kern der Methode besteht darin, hochwertige Abbildungen des Gemäldes zu analysieren und daraus eine Oberflächenkarte zu erstellen: wo die Pinselstriche höher sind, wo sie tiefer liegen und wie komplex und uneben das Relief der Farbe ist.
Die Forscher haben den Ansatz an Werken im Zusammenhang mit Vincent van Gogh getestet. Die bekannte Fälschung „The Plowmen“ unterschied sich deutlich von den authentifizierten Gemälden, während das Werk „Sunset at Montmajour“, das zuvor als echt anerkannt worden war, den echten Werken des Künstlers näher kam.
Details
Bei Kunstfälschungen wird oft versucht, das Motiv, die Farben und den allgemeinen Stil des Künstlers nachzuahmen. Viel schwieriger ist es jedoch, die feinen physikalischen Eigenschaften der Pinselstriche zu fälschen: wie die Farbe auf die Leinwand aufgetragen wird, wie uneben die Oberfläche ist und wie sich die Pinselstriche wiederholen.
Genau dies versuchten die Wissenschaftler zu messen. Sie verwendeten hochpräzise Aufnahmen der Bildoberfläche und analysierten diese als komplexes Relief. Im Wesentlichen wurde das Gemälde nicht nur als Bild, sondern auch als dreidimensionale Oberfläche betrachtet.
Zur Bewertung dieser Oberfläche wurde eine fraktale Analyse angewendet. Einfach ausgedrückt ist dies eine Methode, um zu messen, wie komplex und „uneben“ ein Muster auf verschiedenen Maßstäben wirkt. Wenn ein Künstler in charakteristischer Weise malt, können seine Pinselstriche wiederkehrende Reliefspuren hinterlassen – eine Art morphologische Signatur.
In Tests konnte die Methode Werke, die Van Gogh zugeschrieben werden, von einer bekannten Fälschung unterscheiden. „The Plowmen“ hob sich vom allgemeinen Muster ab, während „Sunset at Montmajour“ größere Ähnlichkeiten mit den bestätigten Werken des Künstlers aufwies.
Die Autoren verglichen zudem die Merkmale Van Goghs mit den Werken des Künstlers David Klökker Erensthal aus dem 17. Jahrhundert. Die Methode konnte verschiedene künstlerische „Handschriften“ unterscheiden, was ihren möglichen Nutzen nicht nur für das Erbe Van Goghs verdeutlicht.
Allerdings löst die Technologie nicht alle Fragen im Alleingang. Die Echtheit eines Gemäldes wird in der Regel umfassend geprüft: Dabei werden die Besitzgeschichte, Archivdokumente, die Leinwand, die Pigmente, der Untergrund, die Signatur, der Zustand der Farbschichten und Spuren von Restaurierungen untersucht. Die neue Methode fügt eine weitere Überprüfungsebene hinzu – die Analyse der Pinselstrichoberfläche.
Warum dies wichtig ist
Für Museen und Sammler ist eine Fälschung nicht nur ein finanzielles Risiko. Es ist auch ein Risiko für das kulturelle Gedächtnis: Ein gefälschtes Werk kann in eine Ausstellung, einen Katalog oder eine wissenschaftliche Arbeit gelangen und das Bild des Künstlers verfälschen.
Die Methode ist insofern interessant, als sie weder die Entnahme einer Farbprobe noch einen physischen Eingriff in das Gemälde erfordert. Für wertvolle Werke ist dies besonders wichtig: Jede Beschädigung, selbst die geringste, kann inakzeptabel sein.
Sollte sich die Technologie bei großen Stichproben als zuverlässig erweisen, könnte sie Experten dabei helfen, verdächtige Werke schneller zu erkennen. Dies ist besonders auf dem Kunstmarkt von Bedeutung, wo Werke bekannter Künstler Millionen wert sind und der Druck auf Experten und Käufer sehr hoch ist.
Der Hauptvorteil liegt jedoch nicht darin, dass der Computer den Menschen „ersetzt“. Viel wichtiger ist: Die digitale Analyse kann messbare Daten liefern, wo ein Experte zuvor nur visuelle Ähnlichkeiten oder Zweifel sah.
Hintergrund
Die Zuschreibung von Gemälden ist eine der schwierigsten Aufgaben in der Kunstwissenschaft. Selbst wenn ein Werk dem Stil eines bekannten Künstlers ähnelt, reicht dies nicht aus. Man muss verstehen, wann und von wem es geschaffen wurde, welche Materialien verwendet wurden, ob die Technik der Epoche entspricht und ob es eine dokumentierte Geschichte des Werks gibt.
In den letzten Jahren werden die traditionellen Begutachtungsmethoden zunehmend durch digitale Verfahren ergänzt: Bildanalyse, maschinelles Lernen, Untersuchung der Pinselstrichstruktur, Röntgenaufnahmen, Infrarotaufnahmen und chemische Materialanalysen. Bereits zuvor wurden Algorithmen zur Erkennung von Van-Gogh-Werken anhand von Pinselstrichmerkmalen und digitalen Bildmerkmalen vorgeschlagen; so beschrieb beispielsweise eine Studie auf arXiv eine Methode zur Klassifizierung von echten Van-Gogh-Gemälden und Fälschungen anhand statistischer Merkmale gerichteter Texturen.
Die neue Arbeit zeichnet sich dadurch aus, dass sie den Schwerpunkt auf die Topografie legt – also auf das Relief der Oberfläche. Dies ist gerade für die Malerei von Bedeutung, wo ein Pinselstrich nicht nur Farbe, sondern auch eine physische Spur der Pinselbewegung darstellt.
Quelle
Studie: „Preserving Van Gogh’s Painterly Heritage: Topographical and Fractal Insights in Authentication“, Zeitschrift „Surface Topography: Metrology and Properties“, 2026.
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Maria Grynevych, Projektmanagerin, Journalistin, Mitautorin des Reiseführers Heilige Berge der Dnjepr-Region, Vortragskurs: Kultische Topographie der mittleren Dnjepr-Region.













