Art Basel 2025 bringt Wandteppiche und Flachreliefs wieder in Mode
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Die Messe für zeitgenössische Kunst Art Basel hat Basel wieder einmal zum Epizentrum der Kunstwelt gemacht.
Die 55. Ausgabe der Art Basel fand vom 19. bis 22. Juni in der Schweizer Stadt statt und demonstrierte das Ausmaß und die Energie der globalen Kunstszene. In diesem Jahr nahmen 289 Galerien aus 42 Ländern teil, und die Gesamtzahl der Besucher überstieg 88.000 - etwas weniger als im Vorjahr, aber immer noch beeindruckend.
Die Organisatoren stellten fest, dass alle Galerien starke Verkäufe in allen Preissegmenten meldeten und damit den Status der Art Basel als weltweit führende Messe bestätigten. Die Direktorin der Art Basel, Maike Kruse, sagte, die Veranstaltung zeige "die Nachhaltigkeit und die internationale Reichweite des globalen Kunstmarktes."
Leuchtende Highlights der Messe
Die Art Basel ist traditionell nicht nur für ihre kommerzielle Komponente, sondern auch für ihre groß angelegten Kunstprojekte bekannt. Das diesjährige Schlüsselereignis außerhalb der Stände war eine Installation der deutschen Künstlerin Katharina Grosse auf dem Messeplatz unter freiem Himmel vor dem Eingang der Messe. Grosse benutzte ein industrielles Sprühgerät, um den Platz und die umliegenden Strukturen mit Schichten leuchtend pinker Farbe zu überziehen und den Platz vor der Messe Basel in eine "chromatische Umgebung" zu verwandeln. Dieses monumentale Wandgemälde unter freiem Himmel ist mit einer Fläche von mehr als 5.000 m² das bisher größte Werk des Künstlers. Besucher, die von der Straße aus in diese Farbextravaganz namens CHOIR traten, tauchten sofort in die Welt der Kunst ein, noch bevor sie die Messehallen betraten.
In der Messe Basel stellten Galerien aus der ganzen Welt - von etablierten Marktführern bis hin zu Debütanten - auf drei Ebenen aus. Neu in diesem Jahr war der Bereich Premiere, in dem 10 Galerien speziell ausgewählte Werke aus den letzten fünf Jahren präsentierten und damit neue Stimmen der zeitgenössischen Kunst vorstellten. Auch die beliebten Sektionen kehrten zurück: Statements (Einzelprojekte junger Künstler) und Feature (Ausstellungen wichtiger Persönlichkeiten des zwanzigsten Jahrhunderts). Einen besonderen Platz nahm die Unlimited Hall ein, ein für die Basler Messe einzigartiger Bereich mit großformatigen Werken, Installationen und Performances. Im Jahr 2025 präsentierte Unlimited rund 70 monumentale Werke, die von Kurator Giovanni Carmine ausgewählt wurden. Darunter waren beeindruckende Projekte, die in aller Munde waren, wie Andrea Buettners Serie riesiger Wandteppiche, Felix Gonzalez-Torres' interaktive "Go-Go-Plattform" mit einer Tänzerin, die auf dem Laufsteg erschien, Atelier Van Lieshouts utopisches Skulpturenensemble und Thomas Schüttes riesiger stählerner Engel ("Angel").

Die diesjährige Auswahl an Unlimited-Werken war die größte in der Geschichte des Sektors, und eine spezielle Abendvorführung von Unlimited Night (am Donnerstag, den 19. Juni) ermöglichte es dem Publikum, diese Werke über einen längeren Zeitraum zu genießen.
Das Programm Parcours, das 2025 von Stephanie Hessler (Direktorin des Swiss Institute in New York) kuratiert wurde, war wieder in Aktion. Unter dem Thema "Zweite Natur" wurden mehr als 20 szenenspezifische Werke entlang der Clarazsstraße bis zum Rhein und an anderen städtischen Orten platziert.

Auf dem Münsterplatz zum Beispiel ein 80 Meter langer textiler Baldachin des Duos Hylozoic/Desires, in der St. Clarakirche installierte die Künstlerin Selma Selman ein berührungsempfindliches "Monument-Car", und an den Fassaden und in den Höfen der Stadt konnte man Überraschungen von zeitgenössischen Künstlern finden - von Videoinstallationen bis hin zu subtil in die Stadtlandschaft integrierten Skulpturen.

Parcours verwandelte vertraute Straßen in eine Kunstsuche, die sowohl anspruchsvolle Messegäste als auch zufällige Passanten einbezog.
Sammler, Museen und Auszeichnungen
Die Art Basel in Basel ist dafür bekannt, die weltweit führenden Sammler und Experten in die Stadt zu locken. Nach Angaben der Veranstalter wurde die Messe im Jahr 2025 von privaten Sammlern und Kunstmäzenen aus mehr als 96 Ländern aller Kontinente sowie von Vertretern von mehr als 250 renommierten Museen und Stiftungen besucht. Kuratoren bedeutender Institutionen - vom New Yorker MoMA und der Londoner Tate bis zum Watari Museum in Tokio und dem Zeitz MOCAA in Kapstadt - schritten neben Galeristen, Künstlern und Prominenten der Kunstszene durch die Hallen der Messe Basel. Viele Menschen kommen jedes Jahr zur Art Basel, und dieses Zusammentreffen von Fachleuten unter einem Dach ist ebenso wertvoll wie die Verkäufe selbst.
In diesem Jahr fand zum ersten Mal die Verleihung der Art Basel Awards, eine neue Initiative der Messe, statt. am 19. Juni, auf dem Höhepunkt der Messe, wurden im historischen Basler Rathaus 36 Gewinner (Medailleure) der Art Basel Awards ausgezeichnet, die Medaillen für ihren Beitrag zur Entwicklung der Kultur erhielten. Zu den Geehrten gehörten Künstler, Kuratoren, führende Persönlichkeiten von Institutionen und Sammler, deren Leistungen die zeitgenössische Kunst geprägt haben. Am nächsten Tag, dem 20. Juni, fand der erste offene Art Basel Awards Summit statt - ein Forum, an dem die Preisträger und die Jury teilnahmen und in dem die aktuellen Themen der Kunstwelt diskutiert wurden. Eine der Initiativen war die Ankündigung des Koyo Kuo Scholarship, eines jährlichen Förderprogramms für Kunstschaffende aus afrikanischen Ländern. Die Ausrichtung eines eigenen Preises und eines Gipfeltreffens zeigt das Engagement der Art Basel, nicht nur Kunst zu zeigen, sondern auch deren Entwicklung zu beeinflussen, indem neue Stimmen und Ideen gefördert werden.
Künstlerische Trends: von Wandteppichen bis Anime
Über das offizielle Programm hinaus war die Art Basel 2025 ein Spiegelbild der aktuellen Kunsttrends. Ein bemerkenswerter Trend ist das erneute Interesse an Textilien und Wandteppichen. An den Ständen einer Reihe von Galerien wurden großformatige Textilarbeiten ausgestellt: von abstrakten, handgewebten Wandteppichen bis hin zu ungewöhnlichen Installationen aus Stoff und Fäden. Die Lisson Gallery brachte zum Beispiel eine gewebte Leinwand von Otobong Nkang undOlga de Amarals"skulpturale"goldene Wandteppiche nach Basel, die Fasern in leuchtende Kunstobjekte verwandeln.
Gleichzeitig boten viele Stände Autorendrucke und grafische Arbeiten an, von Siebdrucken bis zu Digitaldrucken in limitierter Auflage. Diese erschwinglichen Formate werden von einer neuen Generation von Sammlern bevorzugt, die mit einer kleinen Investition eine Sammlung beginnen möchten.
Bemerkenswert ist, dass sogar der Shop der Art Basel Sondereditionen herausgebracht hat: Sammlerposter und T-Shirts, die von Katharina Grosse entworfen wurden, ein Labubu-Spielzeug in limitierter Auflage des Künstlers Kasinga Luna und Vorschauen auf neue Werke von Daniel Arsham und Amoako Boafo, die exklusiv auf der Messe erhältlich sind.
Ein weiterer bemerkenswerter Trend ist die Rückkehr des Basreliefs und der dreidimensionalen Malerei. Viele Künstler erforschen den Zwischenbereich zwischen Malerei und Skulptur: Auf der Messe konnte man Leinwände mit Schichten und Formen sehen, die auf der Oberfläche "wachsen" und sich in den Raum der Halle erstrecken. Solche Reliefs machen das Genre des Flachreliefs auf moderne Art und Weise wieder relevant. Galerien, die sich auf die Nachkriegsavantgarde spezialisiert haben, zeigten beispielsweise Objekte an der Schnittstelle von Malerei und Skulptur - es gab Werke, in denen Farbe und Material eine physische Textur bilden, die auf die Experimente aus der Mitte des 20. Jahrhunderts verweisen, aber mit einer neuen konzeptionellen Füllung. Das Publikum reagierte lebhaft auf diese "dreidimensionalen Gemälde" und diskutierte darüber, wo die Malerei endet und das Kunstobjekt beginnt.
Schließlich ist es unmöglich, die Verjüngung der Pop-Art unter dem Einfluss von Anime und Massenkultur nicht zu erwähnen. Der Geist der neuen Welle der Pop-Art-Ästhetik war auf der Messe deutlich zu spüren: Viele junge Künstler lassen sich von Comics, Mangas und Videospielen inspirieren. Folglich waren die Stände mit farbenfrohen Bildern gefüllt, die die Ironie von Andy Warhol mit der Bildsprache japanischer Cartoons kombinierten. Großformatige Gemälde mit Figuren, die an Anime-Charaktere erinnerten, wurden Vinylfiguren und Spielzeugskulpturen gegenübergestellt, die in den Rang von Kunst erhoben wurden. Diese Synthese war vor allem für junge Leute attraktiv: Die Werke mit offensichtlichen Bezügen zur Popkultur waren immer gut besucht. Das ist ein frischer Wind - die Generation der dreißigjährigen Sammler, die die alte Garde ablöst, interessiert sich für Kunst an der Schnittstelle von Hoch- und Massenkunst. Die Art Basel 2025 hat diese Stimmung sensibel eingefangen: von Ständen mit Neonfarben und Zitaten aus Comics bis hin zu besonderen Projekten (wie dem oben erwähnten Labubu-Spielzeug), überall war zu spüren, dass die Pop-Art eine neue Jugend erlebt.

Parallele Veranstaltungen: junge Messen und Kunst auf der Straße
Während der Art Basel beschränkt sich das Kunstleben in Basel nicht auf das Hauptmessezentrum. Traditionell finden an denselben Tagen auch andere Messen statt, die die große Schau begleiten. Im Jahr 2025 zog die Liste Art Fair, die berühmte "kleine Schwester der Art Basel", die ihr 30-jähriges Jubiläum feierte, besondere Aufmerksamkeit auf sich. Die 1995 als Plattform für junge Galeristen gegründete Liste feiert ihr Jubiläum und wird ihrem Ruf als Vorposten für neue Namen gerecht. In dem alten Brauereigebäude, in dem die Messe stattfindet, herrschte eine lebhafte Atmosphäre: 99 Galerien aus 31 Ländern präsentierten Werke der wichtigsten aufstrebenden Künstler. Fast die Hälfte der Teilnehmer stellt zum ersten Mal auf der Liste aus, was den Status der Messe als Startrampe für zukünftige Stars bestätigt. Hier konnte man gewagte Experimente sehen - von kinetischen Installationen und Klangskulpturen bis hin zu Gemälden, die scheinbar Unvereinbares miteinander verbinden. Die Liste war schon immer dafür bekannt, neue Trends zu entdecken, und diese Jubiläumsausgabe bildete da keine Ausnahme: Unter den Gewölben der alten Brauerei brodelte ein junger künstlerischer Geist, der Kuratoren und Scouts auf der Suche nach dem "neuen großen Namen" anlockte.
Ein weiterer bemerkenswerter Schauplatz der Basel Art Week war die Volta-Messe, die dieses Jahr ihre 20. Die Volta wurde ursprünglich als intimere Alternative zur Art Basel ins Leben gerufen und wird oft als "weniger schrille, aber nicht weniger prestigeträchtige" Messe beschrieben. Im Jahr 2025 zog die Volta in einen neuen, geräumigen Veranstaltungsort um (Halle 4.U am Messeplatz) und brachte mehr als 70 Galerien aus 29 Ländern zusammen. Wie immer liegt der Schwerpunkt hier auf jungen und Nischengalerien, und das Format der Solopräsentation ermöglicht die Konzentration auf einen Künstler pro Stand. Die regionalen Sektionen waren dieses Jahr auf der Volta stark vertreten: Separate Gruppen von Galerien aus Osteuropa, dem Nahen Osten und Afrika präsentierten lokale Autoren, deren Namen der breiten Öffentlichkeit noch wenig bekannt sind. An solchen Ständen kann man oft ein "dunkles Pferd" entdecken - einen Künstler, der in ein oder zwei Jahren vielleicht auf die große Bühne schießt. Sammler, die des Glanzes der Hauptausstellung überdrüssig waren, schlenderten gerne durch Volta und bemerkten die ruhigere Atmosphäre, aber immer noch das hohe Niveau der Arbeiten. So behält die Volta ihren Status als seriöse Messe für Kenner, die einen durchdachten Ansatz ohne zu viel Glamour bevorzugen.
Die urbane Kunstwoche in Basel beschränkte sich nicht nur auf Galerien und Messen - die Kunst fand auch auf den Straßen und sogar im Bahnhof statt. Ein ungewöhnliches Projekt namens ArtboxExpo (Artboxy Live) fand im Westflügel des Hauptbahnhofs Basel SBB statt. Während der Messe war hier von 9 bis 19 Uhr eine "digitale offene Bühne" in Betrieb: Im Bahnhofsgebäude waren auf Bildschirmen und Ständen Werke von Künstlern aus aller Welt zu sehen, und nach einem festen Zeitplan schufen die Autoren selbst ihre Werke direkt vor den Augen des Publikums. Reisende, die es eilig hatten, einen Zug zu erwischen, fanden sich plötzlich in einer improvisierten Kunstausstellung wieder - sie konnten digitale Gemälde, Grafiken und Videos betrachten und einem Künstler bei der Arbeit zusehen.
Darüber hinaus gab es in ganz Basel zahlreiche Ausstellungen und Veranstaltungen, die in Verbindung mit der Messe stattfanden. Museen bereiteten hochkarätige Ausstellungen vor: Die Fondation Beyeler zeigte Vijej Selmins' filigrane Grafiken und eine VR-Installation von Jordan Wolfson, das Kunstmuseum Basel eröffnete eine Retrospektive des Bildhauers Medardo Rosso und das Museum Schaulager präsentierte ein neues Großprojekt von Steve McQueenay. Am Rheinufer fand in einem ehemaligen Herrenhaus das alternative Kunstfestival Basel Social Club statt - eine gewagte Mischung aus Ausstellung, Performance und Party, die bereits das vierte Jahr in Folge junge Bohemiens zusammenbrachte. Und sogar die Schweizer Regierung feierte ihre Swiss Art Awards - die Gewinner des jährlichen Wettbewerbs unter lokalen Künstlern wurden im benachbarten Pavillon ausgezeichnet.
Ukrainische Künstler in Basel
Auf der Art Basel 2025 präsentierte die ukrainische Künstlerin Sana Shakhmuradova Tanska im Rahmen der Sektion Statements am Stand der polnischen Galerie Gunia Nowik ihre kraftvollen, mythopoetischen Gemälde, die tiefgreifende Themen wie Erinnerung und Krieg aufgreifen.
Auf der Volta Basel war die ukrainische Kunst durch das Soloprojekt von Andriy Kozakov (kuratorische Plattform Cincinnati Art Underground) und Rukh Art Hub vertreten, das Nina Murashkina mit ihrer ausdrucksstarken Malerei und ihren Keramikarbeiten präsentierte.
Außerdem nahm die ukrainische Collagekünstlerin Olena Hrynevych zum ersten Mal an der Artboxexpo teil und schuf zwei Werke direkt vor den Augen des Publikums.
Für ein paar Tage verwandelte sich Basel in eine echte Kunststadt: Kreativität auf Schritt und Tritt, von den Klassikern der Moderne bis hin zu den innovativsten Formen. Die Messe gab den Ton für den gesamten Kunstmarkt an. Die Besucher erhielten einen Schub an Inspiration und das Gefühl, dass die zeitgenössische Kunst weiterhin überrascht, experimentiert und den Puls der Zeit widerspiegelt.
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Maria Grynevych, Projektmanagerin, Journalistin, Mitautorin des Reiseführers Heilige Berge der Dnjepr-Region, Vortragskurs: Kultische Topographie der mittleren Dnjepr-Region.













