Wissenschaftler: Kinder ab dem Alter von 7 Jahren vermeiden bewusst negative Informationen

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Warum Kinder plötzlich nicht mehr alles wissen wollen
11:30, 28.09.2025

Wissenschaftler haben das Alter der Entstehung des "Straußeneffekts" bestimmt



Wenn Menschen älter werden, ziehen sie es zunehmend vor, unangenehme oder beunruhigende Informationen zu ignorieren - seien es Testergebnisse, Nachrichten über die Politik oder sogar der Kaloriengehalt ihres Lieblingsdesserts. Dieses Verhalten wird als "Straußeneffekt" bezeichnet und einer neuen Studie der University of Chicago zufolge entsteht es bereits in der Kindheit.

Die in der Zeitschrift Psychological Science veröffentlichte Studie unter der Leitung von Dr. Radhika Santhanagopalan ergab, dass Kinder im Alter von 7-10 Jahren bewusst Informationen vermeiden, wenn diese negative Gefühle auslösen können. Im Gegensatz zu 5-6-Jährigen, die aktiv versuchen, neue Dinge zu lernen, zeigten ältere Kinder ein "selektives Bewusstsein" - vor allem, wenn die Informationen etwas betrafen, das sie liebten, wie z.B. ihre Lieblingssüßigkeiten.

"Wir wollten verstehen, wie sich das Entscheidungsverhalten bei Kindern verändert und wann der Wunsch entsteht, Informationen zu vermeiden", erklärt Santhanagopalan.

Warum scheint "Nichtwissen" besser zu sein?

Im Rahmen der Studie haben die Forscher den Kindern Situationen vorgespielt, in denen die Informationen entweder neutral oder potenziell beunruhigend sein konnten. Sie wurden zum Beispiel gebeten, sich ein Video über die Gefahren ihrer Lieblingssüßigkeit anzusehen. Das Ergebnis war eindeutig: Je älter das Kind war, desto weniger wollte es schlechte Nachrichten über seine Lieblingssüßigkeit erfahren.

Wie sich jedoch herausstellte, waren die Kinder in allen Altersgruppen bereit, die Wahrheit über ihre eigenen Fähigkeiten zu erfahren, z.B. das Versagen im Test. Die Forscher vermuten, dass dies auf die "Wachstumsmentalität" zurückzuführen ist, die in den Schulen aktiv gefördert wird: Wenn man sich anstrengt, kann man das Ergebnis ändern.

Moralische Schlupflöcher: Wie Kinder lernen, "ehrlich unehrlich" zu sein

Ein weiterer Aspekt der Forschung ist die Frage, wann Kinder beginnen, sogenannte "moralische Schlupflöcher" zu nutzen . In einem Experiment wurden Kinder gebeten, zwischen zwei Sets von Aufklebern zu wählen, wobei sie in einem Fall mehr bekamen, aber die Information über die Anzahl der Aufkleber für das zweite Kind versteckt wurde. Je älter die Teilnehmer waren, desto häufiger weigerten sie sich, herauszufinden, wie viele das andere Kind bekommen würde - so konnten sie ein schlechtes Gewissen vermeiden und trotzdem die Wahl zu ihren Gunsten treffen.

"Dies zeigt, wie selbst Kinder den Wunsch, ehrlich zu erscheinen, mit dem Streben nach Eigeninteresse in Einklang bringen können", so die Autoren.

Wie man Vermeidungsverhalten vermeidet

Santhanagopalan betont: Das Vermeiden von Informationen ist ein natürlicher Abwehrmechanismus, der jedoch negative Folgen haben kann, wie z.B. verstärkte Voreingenommenheit, Ängste und Polarisierung in der Gesellschaft.

Sie rät Eltern und Pädagogen, die Neugierde und die Toleranz für Ungewissheit bei Kindern zu fördern. Das wird ihnen helfen, die Wahrheit nicht zu fürchten und Entscheidungen auf der Grundlage von Wissen und nicht von Angst zu treffen.

Elena Rasenko

Elena Rasenko schreibt über Neuigkeiten aus Wissenschaft, gesunder Lebensweise und Psychologie und teilt ihre Tipps und Tricks zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

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